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Frankreich 1963: Nach der Unabhängigkeitserklärung Algeriens macht die rechtsgerichtete Geheimarmee OAS den Präsidenten De Gaulle für diese "Schlappe" verantwortlich. Colonel Rodin heuert den englischen Berufskiller "Schakal" an, um den Präsidenten töten zu lassen.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Über 100 Jahren der Kolonialisierung, die letzten acht davon mündend in einen blutigen Unabhängigkeitskrieg, nun schenkt Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle Algerien überraschend die Autonomie. Ein Schlag ins Gesicht für so manche Veteranen und selbsternannte Patrioten, die sich um die von ihnen und ihren Kameraden erbrachten Opfer betrogen fühlen. Als ein Attentat der durch sie formierten Terrorzelle auf de Gaulle fehlschlägt, muss ihre Führungsetage in der Schweiz untertauchen. Praktisch zur Handlungsunfähigkeit verdammt, engagieren sie einen Außenstehenden um ihre Mission doch noch zu beenden. Ein Phantom. Gesichtslos, skrupellos, hochprofessionell…den Schakal (Edward Fox, „Die Brücke von Arnheim“).

Nach dem Roman von Frederic Forsythe und unter der Regie von Routinier Fred Zinnemann („Zwölf Uhr mittags“) wird ein historisches, politisches Ereignis als Basis für ein zwar fiktives, jedoch keineswegs unrealistisches Katz-und-Maus-Spiel verwendet. Typisch für das Kino 70er - der vielleicht besten Filmdekade – in dem häufiger nach dieser Methodik verfahren wurde. „Der Schakal“ dabei als Polit-Thriller zu bezeichnen wäre etwas zu sehr an den Tatsachen vorbei, wer hier warum ausgeschaltet werden soll ist genau genommen nur schmückendes Beiwerk, was dem Ganzen dennoch eine gewisse Brisanz verleiht. Was speziell aus heutiger Sicht auffällt, ist diese enorme Abgeklärtheit, diese unaufgeregte Ruhe, mit der Zinnemann die Geschichte vorträgt. Über 135 Minuten klingen für diese Handlung leicht überlang, besonders da auf füllende Actionsequenzen gänzlich verzichtet wird. Ausführlich, das ist „Der Schakal", detailliert, aber niemals auch nur eine Sekunde spröde, trocken oder gar zu lang. Für die Generation ADHS ist das sicherlich nichts, die dürften aufgrund der geringen (physischen) Knalleffekte und der im Keim erstickten Hektik schnell gelangweilt mit dem Smartphone tickern. Dabei wird sogar ein rechts hohes Tempo gefahren, auf seine Art und Weise.

Der Clou der Erzählweise liegt in der (besonders damals) unüblichen Perspektive. Anfangs gehört die gesamte Aufmerksamkeit dem Schakal. Der Zuschauer begleitet fast ausschließlich ihn, beobachtet ihn bei der minutiösen Planung seiner Aufgabe, während seine Verfolger zunächst zu Statisten degradiert werden. Es gäbe auch kaum Grund ihnen mehr Raum zu gewähren, schließlich tappen sie lange völlig im Dunkeln. Im Gegensatz zu uns, die einen enormen Wissensvorsprung genießen. Wir kennen nicht nur das Gesicht des Schakals, wir folgen ihm lange Zeit auf Schritt und Tritt. Sehen ihn bei seinen Treffen mit zwielichtigen Gestalten der europäischen Unterwelt, von Waffenschmieden bis zu Passfälschern, bekommen die Grundbausteine seines Plans serviert. Was den Reiz ausmacht: Viel schlauer sind wir trotzdem nicht. Wer sich wirklich hinter dem uns bekannten Gesicht verbirgt erfahren wir trotzdem nicht und vor allem ist uns auch nicht klar, wie sich die einzelnen Bausteine am Ende zusammensetzen werden. Wo viele aktuelle Filme uns nicht lange auf die Erklärung warten lassen würden, aus Angst das ungeduldige Publikum durch Desinteresse einzubüßen, zeigt sich „Der Schakal“ angenehm geduldig und vertraut auf den Sog dieser angespannten, hitzigen Situation. Erst im (grandiosen) Finale fügen sich alle Puzzleteile zu einem Bild zusammen.

Vor einer eventuellen Ermüdungserscheinung dieser narrativen Struktur bewahrt das Auftauchen von Chefermittler Lebel (Michael Lonsdale, „Herzflimmern“), mit dem sich das Blatt schrittweise wendet. Je näher der Schakal seinem Ziel kommt, desto dicker wird die Luft, das Risiko erhöht sich. Folgerichtig kommen seine Jäger ihm immer näher, aus dem anfänglichen Fischen in trüben Gewässern ergeben sich konkrete Spuren, die immer heißer werden. Immer wieder kann das Chamäleon nur um Haaresbreite entwischen. Das Netz zieht sich enger und parallel steigt selbstverständlich der Puls. Atmosphärisch bewegt sich „Der Schakal“ spätestens jetzt auf höchstem Niveau. Sogar eine Form von Zwiespalt stellt sich ein: Drückt man gerade etwa dem nie direkt sympathisierten, eindeutig als kaltblütig und unbarmherzig gezeichneten Schurken insgeheim die Daumen? Bewusst so konstruiert durch die fast intime Nähe, die einem zuteilwurde. Ein zusätzlicher Punkt, der „Der Schakal“ nicht zu einem x-beliebigen Jäger-und-Gejagter-Beitrag macht. Von der hochklassigen Umsetzung ganz zu schweigen.

Fazit

Ein zeitloser Klassiker, gerade weil man ihm seine Zeit ansieht und spürt. Im positiven Sinne. Den perfekten Beweis dafür bietet das (sehr lose) Remake von 1997 mit Bruce Willis und Richard Gere, welches zwar handwerklich solide und generell auch halbwegs unterhaltsam ist, jedoch mit der immensen Qualität dieser Vorlage es nicht im Ansatz aufnehmen kann.

Autor: Jacko Kunze

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