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Inhalt

Florence Green hat früh ihren Mann verloren, doch ihre gemeinsame Liebe zu Büchern aller Art lässt sie nicht los. Sie investiert ihr gesamtes Vermögen in die Verwirklichung ihres Traums von einem eigenen Buchladen - ausgerechnet im verträumten englischen Hardborough, Ende der 50er Jahre, wo die Arbeiter dem Bücherlesen skeptisch gegenüberstehen und die Aristokratie energisch vorgibt, was Hochkultur ist und was nicht. Doch trotz der Widerstände hat sie Erfolg und rasch finden auch progressive, polarisierende Werke wie Nabokovs Lolita oder Bradburys Fahrenheit 451 bei den Dorfbewohnern Anklang. Vor allem der seit langem zurückgezogen lebende Mr. Brundish findet Gefallen am neuen Buchladen und dessen Besitzerin. Doch Florence Greens sanfte Kulturrevolution bleibt nicht unbemerkt: Die alteingesessene graue Eminenz Violet Gamart befürchtet einen Kontrollverlust in ihrem Heimatdorf und steht den radikalen Veränderungen mit Argwohn gegenüber. Mit aller Macht versucht sie Florence Steine in den Weg zu legen und die beiden Frauen beginnen eine Auseinandersetzung über Moderne und Konvention.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Filme und in anderer Form erzählte Geschichten leben von Konflikten. Dafür sind die sogenannten Problem-Filme, die tragischen Dramen mit existenziellen Auseinandersetzungen, das Musterbeispiel. Aber auch in milderen Formen der Leinwanderzählungen wie der Komödie sind es die Konflikte, welche die Handlung vorantreiben. Gerade heute, wo Filme nur noch schwer einzelnen Genres zugeordnet werden können und wir es meistens mit Genre-Hybriden zu tun haben, gibt es kaum einen harmonischen Film, der nicht auch auf Konfrontationskurs mit den Hürden des Lebens geht. In ihrem neuen Film Der Buchladen der Florence Green wirft die spanische Regisseurin Isabel Coixet dem Anschein nach einen bekannten Grundkonflikt auf: Den ewigen Zwist zwischen der konservativen Haltung und dem progressiven Streben nach Moderne. Damit wählte sie sich einen bewährten Aufhänger für ihren Film, vergisst jedoch, das wackelige Gerüst ihrer Auseinandersetzungen angemessen zu untermauern.

Das von Isabel Coixet selbst verfasste Drehbuch basiert auf dem 1978 erschienenen Roman The Bookshop von Penelope Fitzgerald und widmet sich mit aller Hingabe einer englischen Kleinstadt und ihren Bürgern im Jahre 1959. Florence Green, die von Emily Mortimer (Lars und die Frauen) so zart besaitet wie willensstark gespielt wird, lässt sich von ihrer durch das Lesen inspirierten Fantasie beflügeln und möchte einen Buchladen im Ort eröffnen. Als ihr dies schließlich gelingt, erfährt der Zuschauer durch die Erzählerstimme, dass sie nie wieder so glücklich in ihrem Laden sein werde, wie an diesem ersten Tag. In Erwartung schlimmster Verleumdungen durch die erklärte Gegnerin des Unterfangens, Violet Gamart (kühl und reserviert verkörpert durch Patricia Clarkson, The Party) macht man sich auf große Dramatik gefasst. Doch der Sturm bleibt aus. Die von den Charakteren erlebten Konflikte werden nach außen hin nicht wirklich durch nachvollziehbare Motive oder einschneidende Ereignisse erklärt. Die vornehme Lady in ihrem beeindruckenden Anwesen verfolgt nur halbherzig den Wunsch, in den Räumlichkeiten der Buchhandlung ein Kultur-Zentrum zu eröffnen. Kunden erscheinen im Laden wie aus dem Nichts und es findet sich in der kleinen Christine (Honor Kneafsey, Im Himmel trägt man hohe Schuhe) sogar eine Angestellte. Die Konflikte sind somit alles andere als glaubhaft.

Im Zeichen ihrer modernen Bestrebungen beschließt Florence Green, den so berühmten wie kontroversen Roman Lolita von Vladimir Nabokov in ihrem Laden zu verkaufen. Anstatt daran eine Diskussion über Literatur und die sittlichen Grenzen der Kunst zu entzünden, versandet auch dieser Konflikt bevor er überhaupt einer wurde. So regt sich Violet Gamart eher darüber auf, dass die vor dem Schaufenster des Buchladens stehenden Kunden die Straße blockieren. Eine Angelegenheit, die in der Logik des Films einen Anwalt verlangt. Das zeigt zwar eindrücklich die Willkür der Opposition, bietet dem Zuschauer aber keinerlei interessante Gedankenanstöße.

Trotzdem umweht den Film auch ein Hauch von Magie. Diese liegt zu einem kleinen Teil in den gemäldeartigen Kameraaufnahmen und zu einem großen Teil im Aufeinandertreffen der zwei Hauptcharaktere begründet. Von Emily Mortimers kräftiger Ausstrahlung geht bereits eine Faszination aus, doch wenn sie auf ihren stillen Unterstützer, den Buchliebhaber Edmund Brandish (herausragend gespielt von Bill Nighy, Alles eine Frage der Zeit) trifft, ist man noch gebannter. In Bill Nighys durch die soziale Abgeschiedenheit bedingten zögerlichen Gesten und mit Bedacht gewählten Worte liegt eine Unberechenbarkeit, die zusammen mit der Warmherzigkeit seiner Figur eine wahnsinnig originelle Mischung ausmacht. Während einem beim Anblick dieser beiden Charaktere das Herz aufgeht, wartet der Film auch mit anderen Figuren auf, die einen durchaus unangenehmeren Beigeschmack haben. So will man dem schmierigen und hinterlistigen Journalisten Milo North (James Lance, Bel Ami) lieber nicht allein auf der Straße begegnen.

Fazit

Auch wenn „Der Buchladen der Florence Green“ die Begeisterung für Bücher nicht anzufachen versteht, wohnt ihm doch eine Faszination inne. Durch die originellen Charakterdarstellungen von Emily Mortimer und Bill Nighy wird dem Film eine Nuance wahrhaftiger Atmosphäre eingepflanzt. Der Konflikt zwischen Konservatismus und Moderne ist jedoch reine Attrappe.

Autor: Jonas Göken

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