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Ein Team von Chirurgen verursacht durch einen Kunstfehler den Tod von Dr. Phibes über alles geliebter Frau. In seiner abgrundtiefen Verzweiflung schmiedet der Doktor einen ebenso kreativen wie furchtbaren Racheplan: Mit der Bibel als Gebrauchsanleitung schickt er seinen Feinden eine Flut alttestamentarischer Plagen auf den Hals, von Heuschreckenschwärmen bis zu Horden von Ratten. Und der Höhepunkt wird erst in einem der schaurigsten Finales der Filmgeschichte erreicht.
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Kritik

Caligari, Jarrod, Ramirez, Phibes, Parnassus. Diese Gentleman haben nicht nur eine Gemeinsamkeit in ihrem akademischen Bildungsgrad, sondern gehören auch zu jenen Protagonisten, die ein kleines Kabinett ihr Eignen nennen dürfen. Besonders im schaurigen Genre erfreute sich das Schreckenskabinett großer Beliebtheit. Das Cabinett des Dr. Caligari als ein Urvater des Horrors, Das Kabinett des Professor Bondi oder Das Kabinett des Schreckens. Die Liste ist eine lange. Doch 1971 nahm man sich mit Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes dem Versuch eines Filmes an, der zwar als Horrorfilm zu vermerken ist, jedoch ein gigantisches Augenzwinkern verspüren lässt. Robert Fuest (Verrückt und gefährlich) hat sich für diesen süffisanten Versuch keinen geringeren als die Horror-Legende Vincent Price (Die zehn Gebote) ins Boot geholt und ihn in die marode Haut der titelgebenden Figur des Dr. Phibes gesteckt.

Entstanden ist dabei ein aparter und schonungsloser Rachefeldzug eines von Mysterien umgebenen Mannes, der skurriler kaum sein könnte. Allein der Einstieg wirft das Publikum in eine enorme Befremdlichkeit, wenn eine in schwarzes Gewand gehüllte Person mit einem ungestümen Orgelspiel für die musikalische Untermalung des Vorspanns sorgt und dabei von seiner mechanischen Band begleitet wird. Der Zuschauer wird ohne große Umschweife mit dem Unbehagen vertraut gemacht, das der Film zu seiner allgegenwärtigen Aura zu fabrizieren vermag und der visuell ins Auge springende, bissige Reiz  verhilft diesem Vorhaben. Eine merkwürdige Stimmung, die einen als Zuschauer einerseits fasziniert, aber zugleich auch für die Distanzierung zum apathischen Phlegmatiker Dr. Phibes sorgt. 

Vincent Price stellt hier in seinerRolle als Phibes dabei nicht nur einen arglistigen Mörder dar, der abgesehen von seinen teuflischen Blicken die Mimik einer Leiche hat, sondern entsteht durch die Schweigsamkeit der Figur eine gewisse Faszination des Rätselhaften. Er und seine verführerische Gehilfin Vulnavia (Virginia NorthJames Bond 007- Im Geheimdienst ihrer Majestät) bringen die Opfer auf die ausgefallensten Arten um die Ecke und lassen währenddessen kein einziges Wort über die Lippen gehen. Erst nach dem ersten Drittel des Films verliert der Doktor ein paar Worte und dies auch ohne tatsächlich den Mund aufzumachen. Das schweigsame Böse sorgt dafür, dass man als Zuschauer eine geraume Zeit im Dunkeln tappt, was die Geschichte von Phibes und seine Beweggründe für die Morde angeht und versucht mit den vorhandenen Wissensfetzen eine Verbindung zwischen den Opfern herzustellen. 

Und trotz dieser Schweigsamkeit und tonnenweise Schichten von Kollodium im Gesicht schafft es Price durch die leblose Maskerade – mit der er im Übrigen aussieht wie der heutige Bob Dylan – eine finstere Performance an den Tag zu legen, die nun wahrlich nicht die sagenumwobenste Charaktertiefe vorzuweisen hat, aber dennoch in die Liste beachtlicher Price-Darstellungen gehören darf. Im Rest der Schauspielriege entfaltet sich jedoch wenig Spielraum für große Darstellungen.  Inspektor Trout (Peter Jeffrey Die Akte Odessa), der neben dem Protagonisten als einziger eine annehmbare Screentime geschenkt bekommt, liefert ein solides Bild eines gutmütigen Ermittlers, dessen Dialoge jedoch nicht frei von Dummschwätzereien und Taten von Slapstick-Momenten sind. Vielleicht nicht unangebracht im Rahmen der überaus schelmischen Natur des Films, doch so manch ein Spruch wirkt, als wäre er vom Zahn der Zeit bis auf die Knochen zernagt worden.

Die Mordvarianten sind dabei auf eine kreative Art der Morbidität veranschaulicht und lassen den humoristischen Charakter des Films auflodern. Wenn etwa eine Zielperson auf einem Maskenball von Phibes eine Froschmaske bekommt, die durch einen tödlichen Mechanismus immer enger geschnallt wird und nach einigen Sekunden die Kamera einen Froschkopf einfängt, aus dessen grinsender Visage das Blut des Opfers strömt, dann weiß man nicht nur wo gewisse Folterinstrumente aus der Saw-Reihe ihren möglichen Ursprung haben, sondern sieht das krankhaft scherzende Wesen des Films. Einfallsreiche und ansehnlich – wenn auch mit meist billigen Mitteln – in Szene gesetzte Mordspektakel, die den zynisch komödiantischen Ton des Film hervorragend zur Schau stellen. Und auch wenn die Zurschaustellung jedes einzelnen Mordes irgendwann seinen Reiz verliert, da der Zuschauer mittlerweile verstanden hat, dass die Morde nach den alttestamentlichen Plagen verübt werden, so sind diese dank eben jener bizarren Inszenierung nach wie vor spaßig anzusehen.

Fazit

Ein kapriziöser altbackener Schreckensspaß, der - wenn man so will - eine Art süffisanten Prototypen für Filme wie "Sieben" oder "Saw" darstellt, sich aber gleichzeitig als High Camp-Streifen der übelsten Sorte entpuppt. "Das Schrekenskabinett des Dr. Phibes" ist ein reizender Mix aus pointiertem Horror und absurdem Humor und somit ein sehenswertes Werk für jeden Fan des stilistischen Gruselfilms.

Autor: Oliver Koch

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