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Inhalt

Blanca Bravo (Ana de la Reguera), eine toghe, idealistische Polizistin, die an der nationalen Polizeiakademie in Mexico City ausgebildet wurde, wird in die heruntergekommene Grenzstadt Ciudad Juárez nahe der amerikanischen Grenze versetzt - und damit praktisch in Amerikas Backyard. Während ihre männlichen Kollegen es lediglich als eine nervige Ungelegenheit betrachten, dass immer wieder junge Frauen spurlos verschwinden, will es Blanca genauer wissen. Schließlich hält sich schon seit einiger Zeit das Gerücht von einem aktiven Serienkiller in der Gegend...
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Kritik

Bereits 29 ermordete Frauen allein im laufenden, zwischen 65 und 83 in den letzten drei Jahren, da streiten sich die offiziellen Zahlen von Behörden und Medien. Die unzähligen Vermissten tauchen in dieser Statistik nicht mal auf. Mexikos berüchtigte Grenzstadt Juárez wird schon lange erschüttert von einer ungeklärten Mordserie, für die sich trotzdem niemand ernsthaft zu interessieren scheint. Die Toten werden höchstens von den Angehörigen betrauert, die Fälle wenn es gut läuft überhaupt archiviert, bei der Aufklärungsrate steht eine glatte Null. Ein notorisch unterbesetzter und kaum unterstützter Polizeiapparat - unter den gegebenen Umständen nicht mehr als bessere Müllmänner für menschliche Kadaver -; eine Bevölkerung, die mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat und ausschließlich darauf fokussiert ist für Hungerlöhne in Ausbeuterbetrieben zu schuften, über die Grenze in das heilige Gringo-Land zu flüchten oder das Elend einfach nur über sich ergehen zu lassen; eine Regierung, die ausschließlich fordert statt zu handeln und auch nur, wenn Medienzensur nicht mehr ausreicht und der Druck von außen sie zu verspäteten wie unnützen Reißleinenmethoden zwingt. Juárez, das Tor zwischen der ersten und der inoffiziellen dritten Welt, der Hinterhof der USA, wo die Leichen nicht mal im Keller liegen, sie werden einfach auf die Straße geworfen.

Der mexikanische Kandidat für die Oscar-Verleihung 2010 schildert anhand wahrer Begebenheiten den verzweifelten Kampf der jungen Polizistin Blanca (Ana de la Reguera; Cowboys & Aliens) gegen die Lethargie und Gleichgültigkeit, die schon längst vor den kriminellen Machenschaften kapituliert hat. Nicht nur vorm übermächtigen Kartell-Drogenhandel, sondern selbst vor grausamen Kapitalverbrechen wie (Serien-)Mord und Vergewaltigung. Weil es nicht relevant genug zu sein scheint. Jeden Tag steigen wieder zahllose Frauen und Mädchen aus den Bussen, gehen in der Masse der Niemande unter und wenn sie verschwinden oder irgendwo verwesen, es kräht kein Hahn danach, dementsprechend motiviert wird die Strafverfolgung behandelt. Aufräumen, weitermachen. Tatsächlich ein Paradies für Mörder, Sexualstraftäter oder jeden anderen, für den Frauen nicht mehr als Fleisch sind, Wegwerfware oder lebendige Währung, die sich nach Entwertung so einfach entsorgen lässt wie Kompost. Die zunächst naheliegende Theorie eines eifrigen und nie überführten Serienkillers ist nichts als „Wunschdenken“, das dürfte schnell jedem Zuschauer klar sein, auch wenn diese lose Spur zunächst in den Mittelpunkt gerückt wird. Was vielleicht mal als solches begann (und selbst das ist fragwürdig), ist zum unkontrollierten Selbstläufer geworden.

Wie eine Krankheit, ein hochansteckendes Virus hat sich die Barbarei in Juárez eingenistet und züchtet immer weitere Geschwüre, denn Antikörper wurden nie gebildet. Ein verschleppter Infekt, eine Buschfeuer das zum Flächenbrand geworden ist, das so einfach nicht mehr zu löschen ist. Juárez – Das Paradies der Mörder sucht sich natürlich zu bekämpfende Feindbilder, lässt sie aber gleichzeitig mit fortlaufender Spielzeit zu ebenso gesichtslosen Erscheinungen in der Masse verschwimmen wie auch die Opfer. Das Problem ist viel zu groß, zu gewachsen als das es sich jetzt noch an der Wurzel behandeln ließe. Selbst als endlich notdürftige Maßnahmen in die Wege geleitet werden, es sind nur Tropfen auf glühend heißen Steinen, die wirkungslos verdampfen. Der Film begeht nicht den Fehler, die grundsätzliche Thematik zu vereinfachen oder an Einzelschicksalen festmachen zu wollen. Eines wird als solches zwar früh aufgebaut, dramaturgisch betrachtet allerdings durchaus sinnvoll und nicht verallgemeinernd, sondern im Detail erschreckend stellvertretend für die Hoffnungslosigkeit und die Kreise, die die Situation inzwischen gezogen hat. Das Grausame ist beliebig geworden. Die Hydra hat zu viele Köpfe, als das ein oder zwei kräftige Schläge noch Folgen hätten. An einigen Stellen mag eine sehr krasse Schwarz-Weiß-Zeichnung herrschen (was leider oft zu plakativ runtergebrochen erscheint) , dafür werden eben durch diesen Side-Plot auch die ekelhaften Grautöne ermittelt, die wohl erst die Gesamtsituation ermöglichten. Ein nahezu gesetzloses Schlaraffenland zieht Kriminalität nicht nur an, es lässt sie zur Normalität werden.

Fazit

Ein Kampf gegen Windmühlen. Nicht reißerisch, dafür auch nie zimperlich oder mit verschönender Zurückhaltung geschildert. Ein frustrierendes Portrait des Teufelskreises aus Perspektivlosigkeit, Armut, Gleichgültigkeit und Skrupellosigkeit, die immer nur die wirklich trifft, deren Stimmen am wenigsten gehört werden. Und wie es der Film am Ende faktisch schockierend verdeutlicht, es ist kein reines „Dritte Welt“-Problem. Etwas mehr Feinschliff an Plot und Differenzierung hätte trotzdem definitiv nicht geschadet.

Autor: Jacko Kunze

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