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Inhalt

Nach dem Mord an einer Prostituierten scheint der Täter schnell gefunden, obwohl er noch bei der Urteilsverkündung seine Unschuld beteuert und gleichzeitig Rache an allen Beteiligten schwört. Ihm gelingt die Flucht, stirbt jedoch durch einen Verkehrsunfall. Trotzdem kommt es rund um das Pariser Edelbordell zu einer grausigen Mordserie, die Inspector Fontaine vor eine knifflige Aufgabe stellt.

Kritik

Paris, die Stadt der Liebe. Für Verliebte auf die romantische Art, für Männer mit harter Währung in der Tasche und der Hose auf die etwas andere Weise. Im elitären „Massage-Salon“ von Madame Colette (Anita Ekberg, Das süße Leben) wird gestressten Diplomaten oder Geschäftsmännern eine entspannte Zeit in netter Gesellschaft garantiert, Diskretion steht wird groß geschrieben. Bis einer der Damen (Barbara Bouchet, Don’t Torture a Duckling) von einem eifersüchtigen und offenbar wahnsinnigen Freie…ähm, Kunden brutal erschlagen wird. Die Justiz arbeitet schnell, der Täter wird gefasst und stirbt kurz danach sogar bei der Flucht vor dem Todesurteil. Doch damit geht der Spaß erst richtig los: Aus dem Umfeld des Prozesses und des Etablissements wird nun einer nach dem anderen Opfer einer sadistischen Mordserie.

Das Auge des Bösen - im Original Casa d'appuntamento oder für den internationalen Markt mit dem besonders schönen Reißer-Titel The French Sex Murders bedacht – ist theoretisch ein Giallo, wie er im Buch steht. Der wohl aus gutem Grund meist nur als Second Unit Director tätige Ferdinando Merighi (Allegri becchini... arriva Trinità) bedient die nackten Fakten und Oberflächenreize des Sub-Genres mit Wonne, sprich serviert eine pulpige Groschenroman-Krimistory mit schlüpfriger Schlüsselloch-Geilheit, schmierig-eindimensionalen Geschlechterrollen und expliziten Tötungssequenzen, in denen auch mal die Köpfe rollen dürfen. Auf geschliffene Dialoge oder erlesen Darbietungen der Schauspieler wird sich dabei weniger konzentriert. Die Damen – darunter immerhin so vorzeigbare und nicht unbekannte Gesichter wie Anita Ekberg, Barbara Bouchet oder Rosalba Neri (El Cid) – sollen in erster Linie ihren optischen Job erfüllen, die Herren der Schöpfung sind zum Ermitteln, Verdächtigtwerden und chauvinistischen Begatten da. Ein öliges Humphrey Bogart-Lichtdouble (Roberto Sacchi, Straße zum Jenseits) übernimmt dabei den Part des Schnüfflers, der allerdings auch bis kurz vor Schluss keinen Plan hat, wer oder was hier genau vor sich geht.

Kein Wunder, ist der Plot doch picke-packe-voll mit Seitensprüngen und Betrügereien, zwielichtigen Gestalten und Lustmolchen, freizügigen Frauen und wenig schlüssigen Verwicklungen, da erfüllt der unbekannte Killer fast einen sinnvollen Auftrag, in dem er einige der potenziellen Verdächtigen nach und nach beseitigt. Das geschieht blutrünstig, aber oftmals furchtbar billig inszeniert. Merighi (oder F.L. Morris, wie er sich hier nennt) ist kein Künstler, nicht mal ein halbwegs begabter Handwerker, eher eine motivierte Aushilfskraft, deren Talent hier eindeutig an seine Grenzen stößt. Inhaltlich wie ästhetisch ist Das Auge des Bösen genau genommen mehr als dürftige Kost, punktet aber ein wenig mit diesem rotzigen Willen irgendwie auf sich aufmerksam machen zu wollen. Gen Ende überschlagen sich die Ereignisse, es werden genau diese Giallo-typischen Sex-Gore-und-Wahnsinn-Klischees bedient, inklusiver einer möglichst konstruierten wie überraschenden (weil natürlich auch doofen) Pointe im Gepäck, bei der sich alles um männlichen Dominanz oder Versagenskomplexe dreht. Hosenstall-orientierter Blödsinn, der sich diesmal nicht nur in den Mordinstrumenten äußert, nein, es wird sich im großen Finale sogar vom fettesten Phallus-Symbol Europas gestürzt: Dem Eifelturm. Wenn schon, denn schon.

Fazit

Kein guter Film, auch für Giallo-Verhältnisse, aber „Das Auge des Bösen“ triggert gewisse Reizpunkte für Sub-Genre-Fans, die ihn nicht unsympathisch machen. Das reicht freilich nicht, um ihn über alle Unzulänglichkeiten – und das sind nicht wenige, besonders im handwerklichen Bereich – hinweg zu manövrieren, aber es reicht, um ihn dafür nicht komplett an die Wand zu werfen. Geht so…und damit kann er zufrieden sein.

Autor: Jacko Kunze

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