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Im Januar 2013 erhält die Filmemacherin Laura Poitras, die gerade am dritten Teil ihrer vielfach preisgekrönten Trilogie über die USA nach 9/11 arbeitet (u.a. Oscar-Nominierung für "My Country, My Country" und Pulitzer-Preis für "My Oath") verschlüsselte Emails von einem Unbekannten, der sich "Citizen Four" nennt und Beweise für verdeckte Massenüberwachungsprogramme der NSA und anderer Geheimdienste in Aussicht stellt. Im Juni 2013 fliegen Laura Poitras und die Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill nach Hongkong, um sich mit 'Citizen Four' zu treffen - es ist Edward Snowden. Ihre Kamera hat Laura Poitras in diesen Stunden und Tagen, die unsere Welt nachhaltig verändern werden, immer dabei. Entstanden ist ein einmaliger Dokumentar-Thriller, in dem sich die dramatischen Ereignisse Minute für Minute direkt vor unseren Augen entfalten - die atemberaubend spannende Geschichte über den waghalsigen Schritt eines jungen Whistleblowers, eindringlich, unbequem und von großer politischer Sprengkraft.
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Kritik

Sein Name ging weltweit durch die Presse und sein Konterfei ist mittlerweile quasi schon ein Marketinginstrument, um gegen politische Willkür und allgegenwärtige Überwachungsstaats—Mentalität aufzubegehren. Gemeint ist Edward Snowden, der im Juni 2013 in einem Hotelzimmer on Hongkong der Filmemacherin Laura Poitras sowie den Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill verriet, in welchem Umfang die NSA(National Security Alliance) andere Nation und Netzwerke ausspioniert. Wohl jeder hat darüber eine Meinung und während vor allem in Europa und Lateinamerika der Aufschrei groß war, schien es fast so, als ob es in den USA außer großen, politische Wirbel, keine wirklich gesellschaftlichen Auswirkungen gegeben hat. Aber sein wir mal ehrlich, was überlebte hierzulande nach dem Entsetzen? Schlagzeilen kamen, brachiale Ernüchterungen blieben. Unsere Empörung wurde ausgesessen. Traurig aber wahr. Wie groß, gewagt und vor allem wie mutig die Tat von Edward Snowden war, die von der NSA stets verleumdete Überwachung aufzudecken, zeigt nun die packende Dokumentation „Citizenfour“, der engagierten Filmemacherin Laura Poitras, die mit diesem Werk ihre Trilogie abschließt, die sich thematisch um die Ereignisse und Entwicklungen nach dem 11. September 2001 dreht.

Citizenfour“ ist aufgegliedert in drei Akte. Zunächst behandelt die Dokumentation die Kontaktaufnahme zwischen Regisseurin Poitras und Snowden, sowie die Vorkehrungen für ein ungestörtes und vor allem sicheres Treffen. Im zweiten Akt wird Snowden dann interviewt und offenbart die Herangehensweise der NSA. Dabei muss und sollte aber erwähnt werden, dass er selbst nur Geheimnisse preisgibt, die offenlegen mit welcher teils kriminellen Energie die Behörde zu Werke geht. Wirkliche Anti-Terror-Maßnahmen bleiben unter Verschluss. Die Behauptungen, Snowden würde mit seiner Aufdeckung Terrorgruppierungen einen Gefallen erweisen, sind also ziemlich absurd. Im dritten Akt, wenn Snowden untergetaucht ist, sich die Journaille an dem von ihm hinterlassen Informationsberg labt und erste Schritte der US-Regierung unternommen werden, wird das gigantische Ausmaß der Enthüllung klar. All das inszeniert Poitras mit einer spürbaren Nähe zur Person Snowden sowie zum Thema. Oft sind es dabei keine Interview-Segmente, sondern visualisierte Schriftverkehre, die in all ihrer Nüchternheit dennoch nicht ihr Ziel verfehlen, eine stetige Bedrohung und Unsicherheit zu symbolisieren.

Citizenfour“ wirkt dabei wie ein Spionage-Thriller alter Schule. Doch der rettende Anker der Fiktion ist hier nicht greifbar. Poitras ist vor allem im zweiten Akt immer sehr nah bei Snowden und zeigt ihn dabei, wie er andere über mögliche Sicherheitsrisiken aufklärt und letztlich offenlegt welches Verbrechen die NSA ungehemmt wie ungestraft täglich verrichtet. Auch ist die Kamera zugegen wenn Snowden über seine Überzeugung redet und versucht klar zu machen, dass es nicht um seine Person gehen soll, sondern um das eigentliche Thema der Überwachung. Dieser Nähe ist es zu verdanken, dass Snowden hier nicht zum Anonymous-Messias stilisiert wird, sondern als Mensch. Ein Mensch, den wir am Ende noch einmal zu Gesicht bekommen. Wirkt er im zweiten Akt noch relativ vital, so bekommen wir als Zuschauer am Ende einen Mann zu sehen, der deutlich kraftloser wirkt. Seine Augen umrandet von Ringen, die dicker sind als LKW-Reifen. Und dennoch glaubt er an seine Sache. Auch wenn „Citizenfour“ es niemals klar formuliert, so zollt die Dokumentation dem jungen Mann aus Maryland doch einen heroischen Tribut, ohne dabei die Form und Regularien des Doku-Genres radikal zu vernachlässigen. Dass Snowden trotz all seines Mutes auch Angst hat, verschweigt „Citizenfour“ übrigens nicht. Wenn im Hotel plötzlich der Feueralarm losgeht sieht man direkt in das Gesicht eines Mannes, der sich im emotionalen Clinch befindet zwischen seiner Überzeugung und der Furcht verhaftet und wohl für immer wegesperrt zu werden.

Nach „Citizenfour“ bleibt ein schweres, unwohles Gefühl zurück. Edward Snowden hatte die Courage aufzubegehren und wird, bzw. hat es schon mit einem hohen Preis bezahlt. Die Dokumentation lässt einen fassungslos zurück, auch weil sie keine falsche Scheinheiligkeit zulässt. Das Snowden begnadigt oder zumindest in einem Land unterkommen wird, welches man als „frei“ und „demokratisch“ bezeichnen kann, ist schlicht und ergreifend utopisch. Und nach Sichtung von „Citizenfour“ wird einen auch mulmig zu mute, wenn man bedenkt wie teilweise gleichgültig uns das Thema ist. Poitras Film ist jedenfalls ein guter Einstieg sich genauer mit dem Thema zu befassen. Die Hoffnungslosigkeit die dabei allerding mitschwingt ist nur schwer zu ertragen. Vielleicht kommt daher auch die Gleichgültigkeit. Vielleicht ist sie nicht mehr als ein Schutz.

Fazit

„Was man früher Freiheit nannte, das nennen wir jetzt Privatsphäre. Und im selben Atemzug sagen wir, die Privatsphäre sei tot. Deshalb mache ich mir wirklich sorgen um meine Generation.“

Josh Applebaum

Dieses Zitat sollte und muss als Fazit reichen.

Autor: Sebastian Groß

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