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Dr. Newman ist der Leiter der psychiatrischen Abteilung eines amerikanischen Militärlazaretts und hat es nicht leicht, seine Ideale gegen die militärischen Strukturen des Luftwaffenstützpunktes durchzusetzen. Trotz des chronischen Personalmangels kann er den Piloten Leibowitz und die Krankenschwester Francie Corum für seine Abteilung gewinnen. Gemeinsam bewältigen sie die nervenzehrende Aufgabe, die Soldaten innerhalb von sechs Wochen zu pflegen und zu kurieren, nur damit sie wieder munter an die Front geschickt werden können.

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Kritik

Es kommt mittlerweile immer seltener vor, dass einem ein filmisches Werk über den Weg läuft, das sich mit einem grundsätzlich vernachlässigten Thema befasst. Über die Jahrzehnte hat sich die Filmlandschaft dahingehend entwickelt, dass aktuelle politische oder gesellschaftliche Sujets innerhalb von höchstens fünf Jahren oder weniger auf der Kinoleinwand behandelt werden. Vor rund 50 Jahren brauchte es noch etwas mehr Zeit, bis man sich an eine historisch-gesellschaftliche Auseinandersetzung heranwagte. „Captain Newman” aus dem Jahr 1963 ist einer dieser Filme, die sich erst lange Zeit später mit einem selten angegangenen Thema beschäftigen. Denn wo findet sich schon ein Film, der den Fokus auf die aufopferungsvolle Arbeit eines Lazarett-Psychiaters in Amerika zur Zeit des Zweiten Weltkriegs legt? 

Die von David Miller inszenierte Mischung aus Kriegsfilm und Komödie fällt vor allem durch ihre beherzten und sympathischen Charaktere auf. Dabei sind die Parallelen zu dem nur ein Jahr früher erschienen „Wer die Nachtigall stört” bemerkenswert. Gregory Peck prägte in diesem Film mit der Rolle des integeren Pflichtverteidigers Atticus Finch einen Kultcharakter der Filmgeschichte. In „Captain Newman” lässt er einige daher bekannte Charakterfacetten wieder aufscheinen, spielt er doch den von Idealen getriebenen, gütigen und aufopferungsvollen Psychiater Josiah Newman. Einzig seine aufbrausenden und explosiven Ausbrüche, die Struktur in das Leben seiner verirrten Patienten bringen sollen, machen eine Unterscheidung möglich. Neben Gregory Peck taucht auch Robert Duvall in beiden Filmen auf. In „Wer die Nachtigall stört” sah man ihn als Boo Radley, den geheimnisvollen und gefährlich wirkenden Nachbarn, in seiner ersten Kinorolle. Ein Jahr später verkörperte er in „Captain Newman” mit dem stummen, psychisch geplagten Patienten Winston einen nicht weniger mysteriösen Charakter. 

 Inbegriff eines beherzten und einnehmenden Charakters ist vor allem Tony Curtis in der Rolle des gewitzten, lebenslustigen Corporal Leibowitz, der sich so manches Späßchen mit den Patienten erlaubt. Angie Dickinson als Krankenschwester Francie Corum hingegen gewinnt durch ihre Sanftmut das Herz des Zuschauers und das von Captain Newman. Dieser kann natürlich nicht umhin, sich Hals über Kopf in sie zu verlieben, wobei die Liebesgeschichte auf erfrischende Weise nur dezent angedeutet wird. Denn im Zentrum des Films stehen eindeutig die verschiedenartigen Patienten, denen sich das unzertrennliche Dreiergespann mit Hingabe widmet. Dabei gelingt es dem Film über weite Strecken, mit Bravour die Balance zwischen quietschfidelem Humor und inbrünstiger Ernsthaftigkeit zu halten. 

 Trotz des gelungenen Balanceaktes und der souveränen Vermittlung der gewichtigen Thematik gibt es den ein oder anderen Durchhänger zu vermerken. Basierend auf dem Roman von Leo Rosten erzählt „Captain Newman” die Geschichte des Krieges aus einer selten eingenommenen Perspektive. Newman kämpft rühmlich für Prinzipien der Moral und Menschenwürde und überwindet am Schluss sogar seine Verzweiflung über den Umstand, dass die Soldaten nach sechs Wochen bei ihm wieder in die Todesmaschinerie des Krieges geraten. Er nimmt das individuelle Schicksal der Menschen in den Blick und erkennt die spontan helfende, wertvolle Tat in seiner Arbeit. Zumindest für einen kurzen Moment hat er seinen Patienten Lebensqualität und Wohltat verschafft. Diese Thematik wird jedoch im Film nicht leichtfüßig genug behandelt, sodass er für einen Spielfilm zu dokumentarisch und monoton anmutet und für einen Dokumentarfilm wiederum zu komisch unterhält.

Fazit

„Capatain Newman” ist ein Genrehybrid mit Seltenheitswert, vereint er doch den existenziellen Kriegsfilm mit pfiffigen Humoreinlagen. Dabei mutet seine Herangehensweise nicht falsch an, da auf diese Weise ein authentisches Lebensgefühl vermittelt wird. Leider gelingt es dem Film nicht, durch die originelle Mischung über eine hartnäckige Monotonie hinwegzutäuschen. Davon abgesehen ist er ein zu unrecht wenig beachteter Filmklassiker. Allein die fantastisch beherzten Figuren und die dringliche Thematik rechtfertigen einen Blick auf dieses filmische Werk – das unweigerlich auch von seiner Atmosphäre her an „Einer flog über das Kuckucksnest” erinnert.

Autor: Jonas Göken

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