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Klaus Roth wird plötzlich und unerwartet vom Polizeidienst abgezogen. Von seinem Chef, dem Kriminalhauptkommissar Frank Dudek, erhält er den Auftrag, als verdeckter Ermittler an die Hintermänner und vor allem an Aco Goric, den Drahtzieher der serbischen Wettmafia heranzukommen. Klaus wird vor allem deshalb ausgewählt, weil er selbst serbische Wurzeln hat und nicht, weil sein Chef ansonsten besonders große Stücke auf ihn hält. Aco Goric und Co. werden nicht nur Wettbetrug und weitere Kapitalverbrechen vorgeworfen, sondern es geht außerdem um Nötigung, Erpressung, schwere Körperverletzung und sogar um Auftragsmorde. Schnell gewinnt Klaus das Vertrauen von Gorics Neffen Luka und wird so in den Kreis der Wettmafia eingeführt. Doch je näher Klaus an Goric herankommt, umso riskanter wird die Ermittlung für ihn.

Kritik

Der deutsche Krimi ist eine überaus ambivalente Erscheinung. Mal scheint es so, als würde er lediglich durch Zwangsmaßnahmen am Leben erhalten und einem jeden Zuschauer nur auf die Nerven gehen. Dann wieder kommt hier und da ein Film an die Oberfläche, mit dem so niemand gerechnet hätte, der mit seiner Dichte, Spannung und seinem Mut überrascht und beeindrucken kann. Auf kurze Distanz wäre dabei wohl eines der jüngsten Beispiele für solche Filme. Der kleine Krimi, der sich mit der Wettmafia beschäftigt (sicherlich auch indirekt als Reaktion auf und Beschäftigung mit den FIFA-Skandalen), gehört nicht nur zur Kenntnis genommen, er gehört zur Pflichtsichtung eines jeden Krimi-Fans. Denn was dem Team um Regisseur Phillip Kadelbach (u.a. Unsere Mütter, unsere Väter) hier gelungen ist, verdient den Namen Krimi im höchsten Maße.

In tristen und kalten Bildern erstreckt sich das Leben von Klaus Roth (Tom Schilling, Oh Boy), der schon kein mustergültiger Mensch zu sein scheint, bevor er den entscheidenen Auftrag bekommt, für den er Undercover in einen Wettmafia-Ring eingeschleust werden soll. Als verdeckter Ermittler in die Höhle des Löwen und das Herz der Kriminalität. Wir lernen Roth kennen, als er Eishockey spielt und eine beherzte Keilerei mit Kollegen entstehen lässt. Kurz darauf wird er offiziell verhaftet, abgeführt und irgendwo im deutschen Nirgendwo mit seinem neuen Chef konfrontiert. Der wird von niemand geringerem als Jens Albinus (Nymphomaniac) verkörpert, der seiner Figur ein herrlich abgehalftertes Aussehen verpasst. „Wer sich irgendwann nicht mehr an seine eigenen Lügen erinnern kann, ist ein toter Mann.“ Er sagt das so daher, aber die Aussage verfehlt nicht an Wirkung. Im Gegenteil, die Kraft der Aussage kommt mit einem Schlag und sinkt dann immer tiefer ein. In Momenten wie diesen versucht man stets, seinen Verstand um die Aussagen zu wickeln, ihre Reichweite zu verstehen - und stößt dabei teilweise an seine Grenzen.

Sobald Roth seinen Auftrag annimmt (ganz schnörkellos und ohne dramaturgisch-aufgeblähte Unschlüssigkeit, die für das Konstrukt der Heldenreise typisch ist), gibt es für ihn kein Privatleben mehr. Man sieht ihn ab nun wirklich ausschließlich bei der Arbeit, sei es Undercover oder in Gesprächen mit seinem Chef. Seine Arbeit ist nun sein Leben, seine Identität, sein Selbst. Er pilgert zwischen den Zocker-Bars und den Büros der Polizei. Letztere werden dabei, in all ihrer Schäbigkeit und ausgefransten Unkenntlichkeit, zu Einrichtungen allwissender Macht. Roths Leben wird vor ihm ausgebreitet, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Minutiös wird sein Leben getaktet, strategisch geplant. Was muss das für ein Gefühl sein, ein Leben zu leben, bei dem man sich selbst zu Grabe trägt, Gast seiner eigenen Beerdigung ist und dann ein anderer Mensch sein muss? In einer Szene fragt Roth seinen Chef, ob er nur dank seiner serbischen Wurzeln für den Job ausgewählt wurde, oder ob eine besondere Eignung bestand. Ein Funken Hoffnung steckt in der Frage, ein kleines Stück in Roth, das den Mut besitzt, von eigener Größe und eigenem Können auszugehen. Natürlich wird diese Hoffnung umgehend zerschmettert.

Der Regisseur Kadelbach zeigt intensiv, wie das Leben eines verdeckten Ermittlers ablaufen kann. Immer tiefer wird Roth aka Milan in das Geschehen gezogen, tiefer in die Familie, tiefer in die Kriminalität, tiefer in den Strudel des Verderbens. Kadelbach schwört dabei männliche Idealbilder herauf, um sie im nächsten Zug direkt brutal scheitern zu lassen. Der Auftragsmord als Beweis der Treue und Männlichkeit in dem einen Moment, der provozierte Schnupfen im nächsten Moment. Das Wehwehchen, das Roths Kopf aus der Schlinge ziehen soll. Doch das Damoklesschwert bleibt über Roth hängen und droht stets, ihn zu zerstören. Die titelgebende kurze Distanz wird dabei immer wieder zum Gegenstand des Films. Sei es die Entfernung zwischen Täter und Opfer, zwischen Ermittler und Verdächtigem, Figur und Kamera oder auch ganz schlicht zwischen Verlust und Gewinn. In dieser Welt kann es nur einen Gewinner geben. Und der Gewinner ist immer der, der sich ohne jegliche Grenzen bewegen kann.

Fazit

Auf kurze Distanz ist ein großartiges Stück deutscher Krimi-Kost geworden. Der Cast um Tom Schilling, Edin Hasanovic (der in jeder Szene großartig zerrissen ist), Jens Albinus und Emilia Schüle überzeugt von A bis Z und verleiht dem Film an Intensität und Realität. Der Film ist zu gut, um nicht gesehen zu werden. Zu gut, um in eine Schublade mit gewöhnlichen deutschen Krimis gesteckt zu werden. Zu gut, um den Zuschauer nicht zu berühren. Auch bei mehrmaligem Sehen fesselnd.

Autor: Levin Günther

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