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Inhalt

Großbritannien in den 60er Jahren. Eine Zeit im Umbruch zwischen der Sittenstrenge der Nachkriegsjahre und der bevorstehenden Freigeist-Bewegung. Die hübsche 16-jährige Jenny aus einem biederen Londoner Vorort bereitet sich gerade auf ihre Aufnahme an der Elite-Universität Oxford vor und träumt von einer Zukunft in Luxus, als sie in eine aufregende Beziehung zu einem älteren Mann schlittert. Dieser führt sie in eine Welt aus klassischen Konzerten, Dinners, schicker Abendgarderobe und Exklusivität.
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Kritik

Hätte Jenny (Carey Mulligan) nur auf den Text des neu interpretierten Songs zu Beginn hören können „There´s no light without dark place“. Das exzellent gespielte und von Regisseurin Lone Scherfig flott inszenierte Dramolett ist eine Lektion über Anstand und Strebsamkeit, die Nick Hornbys Drehbuch im federleichten Gewand einer Tragikkomödie verpackt. Die von der großartigen Carey Mulligan verkörperte Figur wirkt nicht wie Teenager oder überhaupt ein junger Mensch, eher wie eine mildere  Ausgabe der Biederkeit um sie herum. Ihre zaghafte Abenteuerlust erscheint als gefährliche Waghalsigkeit. Anhand ein paar neuer Bekannter sieht Jenny die fatalen Folgen von Leichtsinn und Leichtmut vor. Die Swinging Sixties sind n der verklemmten Londoner Vorstadt des Jahres 1961 weit weg für die 16-jährige Protagonistin. Bis David (Peter Sarsgaard) sie anspricht, Süßholz raspelt und ihr seine weltgewandten Freunde Danny (Dominic Coooper) und Helen (Rosamund Pike) vorstellt. Dass David im Vergleich zu ihr ein alter Knacker ist, stört Jenny nicht.

Ihr Oxfordstudium erscheint auf einmal fade, viel lieber wäre ihr ein Leben in der Pariser Boheme mit David. Die große Ernüchterung und schmerzhafte Lektionen über die Schattenseiten des süßen Lebens warten gleich um die Ecke. Am Kelch des Lebens nippt die Schülerin nur, ist davon schon trunken und taumelt beinah in ihr Unglück. Ein glücklicher Zufall rettet sie, die bitteren Tränen bleiben ihr jedoch nicht erspart. Das klingt bourgeoise, gesprochen in dem vernichtenden Tonfall, in welchem Jenny es zurecht ihren biederen Eltern zu sein vorwirft. Ist es auch. Nick Hornby versteht es als Musikkritiker und Pop-Literat ausgezeichnet, in seinem Drehbuch die Biederkeit mit Lakonie und Humor geschickt zu kaschieren. Von Autoritätspersonen übernommenes Wissen, behauptet die Handlung, sei wertvoller als durch Überlegung und Erfahrung erlangtes. Sozialprestige werten die Charaktere und unterschwellig der Film höher als Selbsterfüllung. David entpuppt sich als Spießer, Jennys Eltern sind es von Anfang und die Heldin folgt schließlich auch dieser Berufung. 

Ihr Vater bringt die ambivalente Haltung gegenüber alternativen Lebenskonzepten und den Menschen, die sie verkörpern, auf den Punkt: So jemanden zu kennen sei besser als so jemand zu sein. Die Moral unter der komödiantischen Leichtherzigkeit ist konform. Jennys Rebellion ist von Anfang an aufgesetzt. Alles Französische, von Filmen über Musik bis zur Landeshauptstadt, bewundert sie, weil es für sie frivole Intellektualität symbolisiert. Tatsächlich kann sie nicht einmal die Platte Juliette Grecos benennen, die sie heimlich anhört, und ist geschockt über harmlose Gaunereien ihrer neuen Freunde. In den frühen Sechziger, die sich wie die Fünfziger anfühlen, heißt die Alternative zu Altjungfer oder Hausfrau gefallene Frau. So eine ist Jenny nicht, wie ihre Rektorin (Emma Thompson) ihr versichert. Dafür darf es sich Jenny im bürgerlichen Gefängnis so nett wie möglich einrichten. Das ist das trostlose Versprechen des fadenscheinigen Happy Ends.

Fazit

Wenn die leichte Tragikkomödie in dem Jahr anlaufen würde, in dem sie spielt, wäre das vermutlich ein Grund zum erleichterten Aufseufzen. Aber auch wenn die Filmemacher es nicht mitbekommen haben, ist es ein halbes Jahrhundert später und die meisten sind toleranter geworden. Aber wie Hornby beweist: eben nicht alle.

Autor: Lida Bach

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