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Seymour Levov, genannt "der Schwede", einst legendärer High-School-Sportler, ist jetzt erfolgreicher Geschäftsmann und verheiratet mit der ehemaligen Schönheitskönigin Dawn. Über Nacht wird der Familienvater aus dem ersehnten Idyll gerissen, als seine Teenager-Tochter Merry eines Bombenanschlags auf ein Postamt beschuldigt wird und verschwindet. Erschüttert bis ins Mark muss "der Schwede" unter die Oberfläche schauen und sich dem Chaos seiner Welt um ihn herum stellen.
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Kritik

"Meine Tochter...Ihr Körper ist krank! Ihr Geist ist krank!"

Amerikanisches Idyll. Das ist der Titel des Philip-Roth-Romans, der nicht nur von der renommierten Time in die Liste der hundert besten englischsprachigen Romane von 1923 bis 2005 aufgenommen wurde. Autor Roth konnte sogar den Pulitzer-Preis, die wichtigste US-amerikanische Literaturauszeichnung, für sein Werk entgegennehmen. Entsprechend hoch muss also das Erbe sein, welches ein Filmemacher anzutreten hat, gerade dieses imposante Stück amerikanisches Kulturgut für die großen Leinwände aufzubereiten. Die Marschroute allerdings scheint bereits vorbestimmt: Man kann doch eigentlich nur scheitern und im Schatten der Vorlage ein mehr oder weniger klägliches Dasein fristen, oder? Dass ausgerechnet der britische Schauspieler Ewan McGregor den Regieposten bezog, um mit Amerikanisches Idyll sein alleiniges Spielfilmdebüt zu feiern, legte dem Trainspotting-Star wohl eine doppelte Bürde in Sachen Erwartungshaltung auf. Kann das wirklich gutgehen?

Es muss vermutlich nicht mehr erwähnt werden, dass der intermediale Vergleichen zwischen Film und Roman ein äußerst unfaires Unterfangen ist. Wie schwer muss es für einen Filmemacher sein, das umfangreiche, detailverliebte Wesen eines ausufernden Romans auf einen Zeitraum einzudampfen, der sich in zuschauerfreundlichen 90 bis 120 Minuten beläuft? Ein Ding der Unmöglichkeit. Die einzige Möglichkeit, den Verfechtern der Vorlage gerecht zu werden, ist wohl, sich als Filmschaffender einige Inspirationen einzugestehen, gleichwohl aber auch eine eigene Vision zu bewahren, die das beste aus beiden Welten auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Oder es wenigstens versucht. Ewan McGregor besitzt diese Vision allerdings nicht und ist darum bemüht, dem Narrativ Philip Roths weitestgehend treu zu bleiben, was Amerikanisches Idyll nicht nur die Eigendynamik raubt, sondern ihn auch erstaunlich geschmacksneutral erscheinen lässt.

In Buchform war Amerikanisches Idyll eben nicht nur eine aufmerksame Reflexion über die illusionäre Fragilität des amerikanischen Traums, den Seymour "Der Schwede" Levov (Ewan McGregor, Fargo - Staffel 3) und seine Frau Dawn (Jennifer Connelly, Little Children) augenscheinlich leben, weil das Leben sie zu Gewinnern auserkoren hat. Philip Roths Vorlage war ein Protokoll über die Vergänglichkeit gesellschaftlicher Werte und offenbarte, dass die Schönheit als triviales Ideal immer noch der größte Abgrund ist. Ewan McGregor verkürzt diesen Diskurs nun bis aufs Letzte und reicht dem Zuschauer ein simplistisch anmutendes, von rückständigen Gedanken katalysiertes Gesellschaftssezieren, bei dem der Tiefgang primär eine vage Vermutung im luftleeren Raum bleibt. Dass McGregor handwerklich absolut solide agiert und schauspielerisch, wie gewohnt, vollkommen überzeugt, ändert am Ende nichts daran, dass Amerikanisches Idyll eine echte Enttäuschung bedeutet.

Fazit

Ein schlechter Regisseur ist Ewan McGregor definitiv nicht - und über seine schauspielerische Qualität muss ohnehin nicht mehr gesprochen werden, auch hier überzeugt er in der Hauptrolle erneut vollkommen. "Amerikanisches Idyll" aber scheitert nicht nur an der übergroßen Vorlage, der sich Ewan McGregor fast sklavisch ergeben zeigt. Das Hauptproblem ist, dass McGregor die eigene Vision fehlt und so die Pulitzer-prämierte Vorlage nach Strich und Faden vereinfacht. Schade.

Autor: Pascal Reis

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