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Romy Schneider, ihre beste Freundin aus Kindertagen, Robert Lebeck und der Reporter Miachel Jürgs kommen 1981 in Quiberon in einem Kurhotel zusammen. Während Lebeck die wechselnden Stimmungen der Schauspielerin auf seinen Bildern einfängt, lässt sie sich auf das provozierende Interview ein, das eines ihrer letzten werden sollte. 

Kritik

Weiterleben oder weiter durchdrehen. Zwischen diesen Polen oszilliert Romy Schneider (Marie Bäumer, Irre sind männlich) während des titelgebenden Kuraufenthalts. In diese Worte verpackt sie ihr psychisches Dilemma im Interview mit dem Stern-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek, Blind & Hässlich) und diesen Spruch wiederholt ihre Stimme mehrfach vom Tonband, das er zwischen den emotionalen Gesprächen auf seine Zimmer abspielt. Sie vertraue ihm, sagt Schneider, die von einer Minute zur anderen zwischen Extremen des Gefühls hin und her springt. Mit der gleichen trügerischen Natürlichkeit, mit der sie vor der Kamera Robert Lebecks (Charly Hübner, Magical Mystery) am Strand auf von Felsen zu Felsen springt. Bis sie ausgleitet und sich den Fuß bricht. Jeder Augenblick des Selbstvertrauens wird bestraft, als wolle das Schicksal sie verletzen.

Vor der nächsten Verletzung durch die Öffentlichkeit, die sie immer noch als Sissi sieht, und die Klatschpresse, die ihr Privatleben zu Skandalen verramscht, warnt beständig ihre Kindheitsfreundin Hilde (Birgit Minichmayr, Untitled). Sie habe zu viel Vertrauen, mahnt sie die ihren Kummer mit Alkohol und Tabletten bekämpfende Filmikone, die sich zeitlebens aus dem Schatten der mit 16 Jahren verkörperten Kunstfigur zu lösen suchte. Streckenweise wirkt Emily Atefs (Die Königin der Nacht) Ensemblestück wie der filmische Versuch, diese nie geglückte Loslösung für die Schauspielerin zu vollziehen. Die Protagonistin ihrer Charakterstudie ist „die französische Romy“, wie die Regisseurin sie nennt. Das reife Gesicht, die Zigaretten und die raue Stimme stilisiert Atef zu Insignien des Arthouse-Kinos, dessen Air auch ihr Werk atmen soll.

Es ist dieses Forcierte, mit dem die Inszenierung ihre dramatische Intensität unterminiert. Prägnante Momente werden gesteigert, bis sie in Theatralik kippen. Auf eine Metaebene, die erkundet, inwiefern jeder gesellschaftliche Auftritt einer Schauspielpersönlichkeit eine Performance ist, begibt die Regisseurin und Drehbuchautorin sich nie. Der Stil ist sachlich, die Schwarz-Weiß-Bilder betonen die naturalistische Ambition. Doch am Ende siegt in dem bühnenartigen Szenario stets die Fiktion. Anders als ihre Protagonistin hat Atfe nicht zu viel, sondern zu wenig Vertrauen in Marie Bäumer, deren Leistung nach dem Silbernen Bären ruft, das Publikum, dem sie alles mehrfach erklärt, und die letztlich reale Romy Schneider, deren Wesen sich ihr entzieht. Es bleibt ein sehenswertes Psychogramm, aber das einer fremden Kunstfigur.

Fazit

Vor der lichten Kulisse der bretonischen Küste konzipiert Emily Atef ihr Ensembledrama um düstere Gefühlsausbrüche und leichtherzige Momente zufälliger Intimität. Für eine authentische Studie Romy Schneiders und ihrer Begleiter fehlt es dem semi-fiktionalen Szenario an Realismus. Dank Minichmayrs und Bäumers ausdrucksstarker Darstellungen entsteht dennoch das scharfkonturierte Psychogramm einer Berühmtheit im Kampf mit der eigenen emotionalen Ambivalenz.

Autor: Lida Bach

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