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Hellraiser I-III - Collector's Edition - Kritik

Souli

Von Souli in Hellraiser I-III - Collector's Edition - Kritik

Hellraiser I-III - Collector's Edition - Kritik Bildnachweis: © Turbine

Einleitung

Auch wenn er in der Reihe der großen Ikonen des Horrorfilms gerne mal ungenannt bleibt, hat sich Pinhead mit seinen Auftritten im Hellraiser-Franchise seinen Platz innerhalb des Genres doch mehr als verdient. Turbine Media macht allen Sammlern und Filmfreunden nun das Geschenk, eine formschöne Collector's Edition auf den Markt zu bringen, die nicht nur die ersten drei Filme der Reihe beinhaltet, sondern auch mit massig Bonusmaterial aufwartet. Wie sehr sich die Investition in die Box lohnt, erfahrt ihr hier.

Kritik

Hellraiser - Das Tor zur Hölle (1987) 

Basierend auf der Kurzgeschichte aus den Büchern des Blutes ließ es sich Clive Barker nicht nehmen, die Verfilmung seines Stoffes selbst in die Hand zu nehmen. Eine gewagte Sache, solch einen ungewöhnlichen Stoff in die Hände eines Neulings zu geben, aber – um es gleich vorweg zu nehmen – es hat auf Anhieb funktioniert und durch seine offene und drastische Inszenierung konnte Hellraiser gleich auf Kultstatus gebracht werden. Barker verzichtete darauf, dem Mainstream zu huldigen und sparte in keiner Weise mit Darstellungen, die damals im Kino für Proteste gesorgt hätten. Das liegt nicht nur vordergründig an den Metzelaufnahmen, wenn ein einsam pumpendes Herz in der Wand gezeigt wird oder Gesichtsfetzen auf dem Boden liegen, sondern auch in Tabus wie dem Quasi-Ehebruch kurz vor der Hochzeit oder Julias Entscheidungen, wie sie Frank noch mehr ins Leben zurückholen möchte.

Dass dies in Barkers geschaffener kleiner Welt von Hellraiser keine billigen oder oberflächlichen Schockmomente sind, sondern gar die Geschichte mittragen und sie nach vorne pushen, darf dem Autor hoch angerechnet werden. Überhaupt ist die gezeigte Welt, die sich da manifestiert, viel zu abgehoben und metaphysisch in sich geschlossen, dass es kaum reale Bezüge gibt, was aber genügend Freiraum für abgedrehte Ideen offen lässt. Der Eindruck der geschlossenen Gesellschaft wird auch noch verstärkt, indem Barker den Personen persönliche Abhängigkeiten voneinander anheftet. Das ist als geschickter Schachzug so gelungen, dass man gespannt verfolgen will, wie sich neben der Schlachtplatte auch das Zwischenmenschliche entwickelt. Hier sind letztlich die Personen nicht nur zu Opfern, sondern zu Tätern und Handelnden gemacht worden. Wie weit manche dann gehen würden, um ihre Ziele und Träume zu verwirklichen, dürfte manche mehr schocken als jede noch so detailliert gezeigte Tötungsszene und offenbart noch so manche Überraschungen.

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Hellbound - Hellraiser II (1988)

Im Zentrum der Handlung steht erneut Kristy Cotton (Ashley Laurence, Beverly Hills, 90210), deren Erlebnisse in Hellraiser – Das Tor zur Hölle in der Exposition noch einmal wie Erinnerungsblitze in das Bewusstsein des Zuschauers einschlagen und sie daraufhin als Patientin in einer psychiatrischen Einrichtung zeigen. Dass der Gehirnchirurg Dr. Philip Channard (Kenneth Cranham, Ein gutes Jahr) ein ausgeprägtes Interesse für die merkwürdigen Geschichten aufweist, die Kristy zu erzählen hat, lässt das vergangene Blutvergießen natürlich nicht vergessen, sondern von Neuem aufatmen. Tony Randel ist es in Hellbound - Hellraiser II indes nicht nur daran gelegen, aufzuzeigen, dass man niemanden mit der Macht des mystischen Würfels für immer wegsperren kann, sondern damit nur eine neue Hölle für sich und andere eröffnet. Sein inszenatorisches Interesse gilt gleichermaßen der Abbildung jener individuellen Höllen.

Suchte Cliver Barker in Hellraiser – Das Tor zur Hölle noch einen Zugang, die Abgründe seiner Figuren intrinsisch herzuleiten, also das Grauen aus seinen Akteuren herauszutragen, so ist Hellbound - Hellraiser II weitaus effektreicher und audiovisuell vehementer, wenn es darum geht, die Hölle der Zenobiten als ein Labyrinth des menschlichen Geistes zu interpretieren. Tony Randal kehrt die Motive des ersten Teils noch massiver an die Oberfläche, bleibt der ambivalenten Ausdrucksform aber treu, wenn er aufzeigt, dass Angst auch immer mit einem Teil Neugierde korreliert; dass sich Leidenschaft auch immer aus dem brachialen Akt der körperlichen Zerstörung und Deformation ergibt. Erneut vereinen sich Libdo und Destrudo und zerfleischen sich im Wechselspiel aus Hingabe und Verweigerung regelrecht selbst. Diese Sadomaso-Version eines psychosexuellen Gruselkabinetts bleibt weiterhin eine alptraumhafte Grenzerfahrung.

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Hellraiser III (1992)

Zweifelsohne, wenn sich Hellraiser III seinen rasenden Brutalitäten hingibt, wie zum Beispiel während des grellen Club-Massakers, dann entfesselt Anthony Hickox zwar keine mehrdeutigen, aber in ihrer rabiaten Stringenz durchaus aufregende Impulse, die dem Film immer noch das Potenzial hätten einräumen können, sich als ein schlicht-launiger Reißer verdient zu machen. Dass Hellraiser III jedoch nur selten funktioniert, liegt daran, dass sich das Drehbuch immer noch krampfhaft darin versucht, die Leitmotive des Franchise zu behandeln, sie aber konsequent auf Schlagwort-Niveau abserviert: Da darf Pinhead noch theatralisch vom Fleisch und seinen Formen, in die es gefügt werden soll, tönen, Anthony Hickox' Regie aber lässt die kreative Anwandlung vermissen, um diese inzwischen zur Phrase verkommene Aussage des Oberzenobiten neue Dimensionen abzuringen – oder sie auf den bekannten Ebenen mit infernalischer Leidenschaft zu behandeln.

Hellraiser III hingegen möchte vor allem schneller und lauter sein. Er möchte den Körper nicht mehr als Leinwand und den Willen keinesfalls als Pinsel deuten, sondern nur noch Schmerzen verbreiten, anstatt diese zu untersuchen. Und mit dieser banalen Verfahrensweise leitet Anthony Hickox den Ausverkauf der Hellraiser-Reihe ein: Die Saat der Qual wird nicht mehr gesät, sie wird unter mäßigen Schauspielleistungen, lächerlichen Psychologismen und kreischender Effekthascherei verschüttet. Als Tiefpunkt des Filmes erweisen sich die Einblick in das Seelenleben von Hauptdarstellerin Joey (Terry Farrell, Get a Life!), die im Traum immer wieder den Kriegstod ihres Vaters in Vietnam miterleben muss. Nicht nur sind diese Einschübe mit ihrem seltsamen Dorfpark-Flair unheimlich minderwertig gestaltet, sie nötigen Pinhead auch, zu einer Art Freddy Krueger zu werden, wenn er Träume als neuen Nährboden des Grauens erkennt.

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Technischer Part

Für den satten Preis von 70 Euro wird dem Käufer einiges geboten: Die 5-Disc-Edition aus dem Hause Turbine (Veröffentlichung: 8. Juni) legt nicht nur die Hellraiser-Trilogie in bester Bild- und Tonqualität auf, was das Seherlebnis zum audiovisuellen Hochgenuss macht, das Bonusmaterial ist die Investition des Geldes allein schon wert. Neben Audiokommentaren zu jedem Film finden sich auf den fünf Discs, Making ofs, Interviews, Dokumentationen, Extra-Tonfassungen, entfernte Szenen, Hintergrundgeschichten in Spielfilmlänge zur gesamten Trilogie sowie Clive Barker Frühwerke Salome und The Forbidden.

Fazit

Mag die Qualität von "Hellraiser III" auch nicht mehr auf dem Level der ersten beiden Teile sein, so lohnt sich diese Box doch allein schon wegen ihrer formschönen Aufmachung und dem wunderbaren Bonusmaterial. Außerdem sind die ersten beiden "Hellraiser"-Filme zweifelsohne Klassiker des Horrorfilms und gehören in jede gut sortierte Sammlung. Pflichtkauf!

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